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Szenario: Google gräbt TV-Sendern und deren Vermarktern das Wasser ab

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Red Bull Stratos und der am Dienstag auf ProSieben ausgestrahlte Spot Eine Welt ohne TV-Werbung ist eine Welt ohne Marken haben mich unüberlesbar dazu gebracht, mal wieder den Stift in die Hand – oder besser gesagt – die Tastatur unter die Finger zu nehmen. Nach meinem Post Adidas, Mercedes und McDonalds – von starken Marken suchte mich die Frage heim: “Gibt es Firmen, die es ohne TV-Werbung geschafft haben?”. Ich meine so richtig. So richtig richtig. Also so, dass das Logo in beinahe jedem Winkel der Erde erkannt würde. Also so wie bei Red Bull: Egal in welcher Großstadt ein Mensch im Raumanzug auf dem Bürgersteig einschlagen würde, man wüsste: den hat Red Bull geschickt.

Mittwoch morgen kam mir dann Google in den Sinn. Nachdem mir zwei Atemzüge später dann allerdings einfiel, dass selbst Google auf TV-Werbung zurückgreift, verwarf ich diesen Gedanken recht schnell wieder. Naja, so ganz dann doch wieder nicht. Die nächste Überlegung war geboren: Wenn Google selbst das Medium Fernsehen nutzt, um auf sich aufmerksam zu machen, was plant das Unternehmen dann, um aus diesem – anscheinend auch durch Googles Goggles betrachteten – wichtigen Markt Kapital zu schlagen? In wie weit kann der Versuch des Unternehmens, mit Google Fibre auch auf die TV-Bildschirme der Haushalte zu gelangen, nicht nur den TV-Sendern sondern auch deren Vermaktern das Wasser abgraben?

Abgesehen von dem “Wörtchen” Gigabit unterscheidet sich das Google Fibre-Angebot derzeit nicht sonderlich von einem Entertain Angebot von T-Online und hat mit 120US$ einen stolzen Preis, aber man darf das Angebot Free Internet nicht übersehen. Für eine Set Up Gebühr von 300US$ (alternativ 25US$/ Monat für einen Zeitraum von 12 Monaten) gibt’s für mindestens 7 Jahren bis zu 5Mbps Upload und 1Mbps Download Speed. Ich sage dazu mal: Nicht schlecht! Damit dürfte es Google gelingen, einen Fuß in so manchen – vorerst nur – US-Haushalt zu bekommen. Ist die Tür erstmal offen, fällt es dem Kunden wahrscheinlich leichter die Tür Stück für Stück weiter zu öffnen und früher oder später auch einen Anschluss am Fernseher freizugeben. Oder?

Und wie sähe die Werbelandschaft aus, würde Google Fibre und AdWords kombinieren?

Worauf ich hinaus möchte: Google AdWords ist wirklich angenehm zu nutzen. Grundsätzlich bin ich nur ein paar Mausklicks von meiner Zielgruppe entfernt. Nach erfolgreichem Abschluss der Vorarbeiten (Design der Banner, Definiton der Keywords, Zielgruppen etc.) gebe ich mein Budget an und lege alles vertrauensvoll in Googles Hände. Den Rest der Arbeit übernimmt dann höhere Mathematik. Und, wenn ich dem Unternehmen Glauben schenken kann, sorgen diese Algorithmen dann unter Berücksichtigung des definierten Kapitaleinsatzes dafür, dass möglichst viele potentielle Kunden meine Anzeigen zu sehen bekommen. Im Großen und Ganzen also recht bequem.

Wenn es bei der TV-Werbung doch auch so laufen würde… Tut es aber nicht. Hier müssen Unternehmen bzw. die beauftragten Agenturen schon ein wenig mehr Zeit investieren, um das Beste aus der Kampagne zu holen: Analyse des TV-Programms, der Zielgruppenrelevanz, des besten Sendeplatzes und was es nicht noch alles zu berücksichtigen gibt?! Ja, da wäre in jedem Fall noch das liebe Geld. Das liebe Geld ist auch ein Grund wieso TV-Werbung für KMUs nicht interessant ist. Bzw. interessant wäre, aber nicht bezahlbar. An dieser Stelle beweist Google dann wohl, dass sich der Long Tail – unter gewissen Umständen – tatsächlich monetarisieren lässt.

Ich glaube, Google hat den ersten Schritt gemacht, um in 5-10 Jahren (aus Sicht von Unternehmen also übermorgen) in der Lage zu sein, die Vorteile von Google AdWords (Stichwort: Convenience) und dem Medium Fernsehen (die hohe Werbewirksamkeit) zu kombinieren. Das würde heißen, Google wäre in der Lage integrierte Marketingkampagnen auf den drei wichtigsten Kanälen (im Internet, mobilen Endgeräten und im TV) anzubieten – alles nur ein paar Mausklicks entfernt. Wieso sollten die Algorithmen, die für Online-Werbung funktionieren, nicht auch auf das Fernsehen anwendbar sein? Wieso sollte sich Googles “Werbeplatz-Versteigerungssystem” nicht auch auf TV-Spots übertragen lassen? Würde der Mitarbeiter einer Agentur dann nicht einfach nur einen Clip hochladen, die bereits angelegten Keywords sowie die Zielgruppe bestätigen, das Budget eingeben und den Rest einfach Google überlassen, statt die Zeit damit zu vergeuden, Einschaltquoten und Marktanteile bei den Zuschauern im Alter von 14-49 Jahren zu analysieren? Könnten Unternehmen Ihre Anzeigen dann nicht selbst schalten? Würde dies TV-Sendern und ihren Vermarktern nicht den Boden unter den Füßen wegziehen?

Und: wieso – verdammt nochmal – muss ich bei einer Sendergruppe meine Werbung im Internet und TV immer noch getrennt schalten?

Ich werde hier (oder woanders) wohl kaum Antworten auf meine Fragen erhalten, aber nachdem das Internet ja bekanntlich nicht vergisst, werde ich in 5-10 Jahren auf diesen Post zurückblicken können und mir entweder sagen: “Mensch, hab’ ich’s doch gewusst!” oder aber “Mensch Mädel. Du hattest damals schon keine Ahnung und hast sie wahrscheinlich immer noch nicht.”

Written by Stephanie Werner

October 19, 2012 at 1:09 pm

Posted in Medien, Trends